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Heizung und Solarstrom

Photovoltaik und Wärmepumpe: Lohnt sich die Kombination?

Ja, aber nicht aus dem Grund, den die meisten erwarten. Im Januar deckt Ihre Anlage nur einen Bruchteil des Wärmepumpenstroms. Der Gewinn liegt woanders, und er ist grösser.

Kurz beantwortet

Lohnt sich Photovoltaik zusammen mit einer Wärmepumpe?

Ja, die Kombination lohnt sich, aber anders als oft dargestellt. Eine Wärmepumpe braucht in einem Einfamilienhaus rund 5'000 Kilowattstunden Strom im Jahr und verdoppelt damit den Verbrauch. Ihr Bedarf fällt jedoch fast vollständig in die Monate, in denen eine Solaranlage am wenigsten liefert: Im Januar deckt eine 8-kWp-Anlage nur rund fünfzehn Prozent des Wärmepumpenstroms. Über das ganze Jahr sind es etwa ein Viertel. Der eigentliche Gewinn liegt woanders: Weil der Gesamtverbrauch steigt, wächst die Eigenverbrauchsquote von rund dreissig auf gegen fünfundvierzig Prozent, ohne dass Sie etwas dazu tun müssen. Aus jeder selbst genutzten Kilowattstunde wird damit mehr Wert. Wer eine Wärmepumpe plant, sollte die Anlage entsprechend grösser auslegen und auf eine Steuerung achten, die den Solarüberschuss in den Speicher schiebt.

Kapitel 1

Was eine Wärmepumpe verbraucht

Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme, sie verschiebt sie. Aus einer Kilowattstunde Strom werden je nach Gerät und Gebäude drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Dieses Verhältnis heisst Jahresarbeitszahl. Wie viel Strom Ihre Anlage braucht, ergibt sich also aus zwei Grössen: dem Wärmebedarf Ihres Hauses und der Jahresarbeitszahl.

Vorsicht bei Herstellerangaben. Dort stehen oft Werte von 4.5 oder höher, gemessen unter Laborbedingungen. Im Alltag erreichen Luft-Wasser-Wärmepumpen in einem sanierten Haus mit Bodenheizung realistisch 3.2 bis 3.8, Erdsonden 4.0 bis 4.5. Je höher die nötige Vorlauftemperatur, desto tiefer die Zahl. Bei Radiatoren mit 55 Grad Vorlauf sinkt sie schnell unter 3.

Tabelle 1: Strombedarf einer Wärmepumpe nach Gebäudezustand
GebäudeWärmebedarfStrom für die Heizung
Neubau nach heutigem Standardrund 9'000 kWhrund 2'400 kWh
Saniertes Haus mit Bodenheizungrund 15'000 kWhrund 4'300 kWh
Teilsaniert, gemischte Wärmeabgaberund 22'000 kWhrund 6'900 kWh
Unsaniert, Radiatoren mit hohem Vorlaufrund 30'000 kWhrund 10'000 kWh
Warmwasser, unabhängig vom Gebäuderund 3'000 kWhrund 800 kWh

Für die Beispiele auf dieser Seite rechnen wir mit dem sanierten Einfamilienhaus: rund 4'300 Kilowattstunden für die Heizung, dazu 800 für das Warmwasser, zusammen also gut 5'000 Kilowattstunden. Zusammen mit einem Haushaltsverbrauch von 4'500 Kilowattstunden ergibt das rund 9'600 im Jahr, also gut das Doppelte eines Haushalts ohne Wärmepumpe.

Kapitel 2

Das Winterproblem

Hier liegt der Punkt, den viele Werbeschreiben auslassen. Wärmepumpe und Solaranlage arbeiten gegenläufig: Die eine braucht am meisten Strom, wenn die andere am wenigsten liefert. Die Tabelle zeigt es für eine 8-kWp-Anlage und das sanierte Einfamilienhaus.

Tabelle 2: Solarertrag und Wärmepumpenbedarf im Jahresverlauf
MonatSolarertragBedarf Wärmepumpe
Januarrund 190 kWhrund 880 kWh
Aprilrund 840 kWhrund 370 kWh
Julirund 1'030 kWhrund 70 kWh, nur Warmwasser
Oktoberrund 460 kWhrund 370 kWh
Dezemberrund 150 kWhrund 970 kWh

Im Januar und Dezember deckt die Anlage also gut ein Achtel bis ein Siebtel des Wärmepumpenstroms, und selbst dieser Anteil fällt nur in den wenigen hellen Mittagsstunden an. Von April bis Oktober ist es umgekehrt: Dann liefert die Anlage weit mehr, als Heizung und Warmwasser brauchen. Über das ganze Jahr stammt rund ein Viertel des Wärmepumpenstroms vom eigenen Dach.

Wenn Ihnen jemand vorrechnet, die Solaranlage betreibe Ihre Wärmepumpe, fragen Sie nach den Januarwerten. Kein Dach in der Nordwestschweiz liefert im Hochwinter genug, um eine Wärmepumpe zu tragen, auch kein grosses. Auch ein Batteriespeicher ändert daran nichts: Er verschiebt Strom über Stunden, nicht über Monate.

Kapitel 3

Drei Zahlen zur Kombination

Gerechnet für ein saniertes Einfamilienhaus mit Wärmepumpe und einer 8-kWp-Anlage auf einem Süddach.

5'100 kWhWas die Wärmepumpe braucht

Heizung und Warmwasser zusammen. Das verdoppelt den Verbrauch eines Vierpersonenhaushalts von 4'500 auf gut 9'600 Kilowattstunden.

15 %Deckung im Januar

So viel des Wärmepumpenstroms kommt im Hochwinter vom eigenen Dach. Über das Jahr sind es rund fünfundzwanzig Prozent.

42 %Eigenverbrauchsquote

Statt dreissig Prozent ohne Wärmepumpe. Sie nutzen also mehr von Ihrem eigenen Strom selbst, ohne etwas dazu zu tun.

Die zweite Zahl enttäuscht, die dritte entschädigt dafür. Der Gewinn der Kombination liegt nicht darin, dass die Sonne Ihre Heizung betreibt, denn das tut sie im Winter nicht. Er liegt darin, dass ein Haus mit Wärmepumpe das ganze Jahr über eine höhere Grundlast hat und deshalb mehr vom eigenen Ertrag aufnimmt. Aus Strom, den Sie sonst für acht Rappen abgegeben hätten, wird Strom, den Sie zum vollen Bezugspreis nicht kaufen müssen.

Die Wärmepumpe heizt nicht mit Ihrem Solarstrom. Sie macht ihn trotzdem wertvoller.

Kapitel 4

Warum es sich trotzdem lohnt

Fünf Gründe, die alle besser sind als der naheliegende. Keiner davon setzt voraus, dass die Sonne im Januar scheint.

01

Die Eigenverbrauchsquote steigt von selbst

Ein Haus mit Wärmepumpe hat das ganze Jahr über mehr Grundlast. Damit nimmt es einen grösseren Anteil des eigenen Ertrags auf, ohne dass Sie etwas umstellen müssen. Von rund dreissig steigt die Quote auf gegen fünfundvierzig Prozent, und jede dieser Kilowattstunden ist statt acht Rappen den vollen Bezugspreis wert.
02

Das Warmwasser passt perfekt

Anders als die Heizung fällt der Warmwasserbedarf gleichmässig übers Jahr an, rund 800 Kilowattstunden Strom. Von März bis Oktober lässt er sich fast vollständig aus dem Solarüberschuss decken, wenn die Steuerung die Ladung in die Mittagsstunden legt.
03

Der Speicher der Heizung ist gratis

Jede Wärmepumpenanlage hat einen Wasserspeicher, oft mehrere hundert Liter. Der lässt sich mittags mit Solarüberschuss auf eine höhere Temperatur laden und gibt die Wärme abends ab. Das ist ein Energiespeicher, den Sie bereits besitzen, und er kostet nichts extra.
04

In der Übergangszeit trägt die Anlage wirklich

März, April, Oktober und November sind Heizmonate mit ordentlichem Solarertrag. Im April liefert eine 8-kWp-Anlage rund 840 Kilowattstunden, während die Wärmepumpe nur 370 braucht. In diesen vier Monaten deckt die Anlage den Heizstrom weitgehend.
05

Die Rechnung ist grösser, also auch der Hebel

Ein Haus mit Wärmepumpe zahlt bei 9'600 Kilowattstunden je nach Gemeinde zwischen 2'600 und 4'200 Franken im Jahr. Auf diese Summe wirkt jede eingesparte Kilowattstunde. Wer ohnehin viel Strom braucht, hat mehr davon, einen Teil selbst zu erzeugen.

Konkret gerechnet mit einem mittleren Bezugspreis von 30 Rappen, wie er in unserer Region üblich ist: Eine 8-kWp-Anlage bringt einem Haus mit Wärmepumpe rund 1'310 Franken im Jahr, mit gezielter Steuerung etwa 1'530 Franken. Ihr genauer Wert hängt am Tarif Ihrer Gemeinde, und der schwankt in unserem Einzugsgebiet zwischen 27.17 und 43.61 Rappen.

Kapitel 5

Was Sie konkret tun können

Fünf Entscheidungen, die darüber bestimmen, wie gut die Kombination bei Ihnen funktioniert. Die ersten drei treffen Sie bei der Planung, die letzten beiden im Betrieb.

01

Die Anlage grösser auslegen

Bei einem Haus mit Wärmepumpe lohnen sich zehn bis zwölf Kilowatt Peak statt der üblichen acht, sofern das Dach es hergibt. Der zusätzliche Ertrag landet dank der höheren Grundlast zu einem grossen Teil im Eigenverbrauch statt im Netz.
02

Ost-West statt reinem Süden prüfen

Eine Ost-West-Anlage liefert über das Jahr rund fünfzehn Prozent weniger, dafür breiter verteilt über den Tag. Wo eine Wärmepumpe morgens und abends läuft, kann das die bessere Wahl sein. Rechnen lassen, nicht pauschal entscheiden.
03

Auf die Schnittstelle achten

Die Wärmepumpe muss vom Solarüberschuss wissen. Üblich sind SmartGrid-ready, Modbus oder ein potenzialfreier Kontakt. Klären Sie das vor dem Kauf ab, bei beiden Geräten. Ohne diese Verbindung bleibt die Steuerung Theorie.
04

Warmwasser in die Mittagsstunden legen

Die einfachste Massnahme überhaupt und meist eine reine Einstellungssache. Statt nachts oder morgens lädt der Speicher zwischen elf und fünfzehn Uhr. Das allein hebt den Eigenverbrauch spürbar.
05

Den Speicher überhöhen lassen

Viele Regelungen können bei Solarüberschuss die Speichertemperatur um einige Grad anheben. Das verschiebt Heizenergie in den Abend, ohne Komfortverlust und ohne zusätzliche Technik. Fragen Sie Ihren Heizungsinstallateur danach, die Funktion ist oft vorhanden und nicht aktiviert.

Was Sie sich sparen können: eine Anlage, die auf den Winterbedarf ausgelegt wird. Um im Januar eine Wärmepumpe zu tragen, bräuchte es ein Vielfaches der üblichen Fläche, und dieser Überschuss würde im Sommer für acht Rappen ins Netz gehen. Legen Sie die Anlage nach der verfügbaren Dachfläche aus, nicht nach dem Dezemberverbrauch.

Ein häufiger Irrtum betrifft die Reihenfolge. Wenn Wärmepumpe und Solaranlage beide anstehen, planen Sie beide zusammen, auch wenn Sie zeitlich versetzt bauen. Wer die Wärmepumpe ohne Rücksicht auf die spätere Anlage installiert, hat oft keine Schnittstelle für die Überschusssteuerung und muss später nachrüsten oder darauf verzichten.

Kapitel 6

Häufige Fragen zu Photovoltaik und Wärmepumpe

Wir rechnen mit Ihrer Heizung

Die Zahlen auf dieser Seite gelten für ein saniertes Musterhaus. Ihre Rechnung hängt am Wärmebedarf Ihres Gebäudes, an der Jahresarbeitszahl Ihrer Wärmepumpe und am Tarif Ihrer Gemeinde. Nennen Sie uns Adresse, Jahresverbrauch und Heizungstyp, dann rechnen wir beide Varianten durch, mit und ohne Überschusssteuerung. Wenn Sie die Wärmepumpe erst planen, umso besser: Dann klären wir die Schnittstelle, bevor sie bestellt ist.

Ihr Ansprechpartner
Thomas von Arx, Berater Energielösungen bei Soltastic Basel

Thomas von Arx

Berater Energielösungen, Soltastic Basel GmbH

Transparenzhinweis

Wir sind ein Solarbetrieb und verdienen an gebauten Anlagen. Wärmepumpen planen und installieren wir nicht; dafür ist Ihr Heizungsinstallateur zuständig. Diese Seite widerspricht bewusst der verbreiteten Darstellung, eine Solaranlage betreibe die Wärmepumpe. Die Angaben zu Jahresarbeitszahlen, Wärmebedarf und monatlicher Ertragsverteilung sind Erfahrungs- und Planungswerte für das Schweizer Mittelland und können je nach Gebäude, Gerät und Standort deutlich abweichen. Die Ersparnisrechnung beruht auf einer 8-kWp-Südanlage mit 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak, einem Bezugspreis von 30 Rappen und einer Einspeisevergütung von 8 Rappen; die tatsächlichen Werte Ihrer Gemeinde finden Sie auf unseren Tarifseiten. Verbindlich ist eine Berechnung an Ihrem Objekt.