Elektroauto mit Solarstrom laden: was bringt das wirklich?
Deutlich mehr als eine Wärmepumpe, und aus einem einfachen Grund: Ein Auto braucht das ganze Jahr gleich viel Strom. Die Frage ist nur, ob es tagsüber zu Hause steht.
Lohnt es sich, das Elektroauto mit Solarstrom zu laden?
Ja, und stärker als bei jeder anderen Kombination. Ein Elektroauto braucht bei 15'000 Kilometern im Jahr rund 3'000 Kilowattstunden, verteilt gleichmässig über alle Monate. Anders als eine Wärmepumpe hat es also kein Winterproblem. Entscheidend ist allein, wann geladen wird. Wer das Auto werktags zu Hause lädt, deckt bis zu siebzig Prozent des Ladestroms aus der eigenen Anlage. Wer nur abends und nachts lädt, kommt auf zehn bis fünfzehn Prozent. Eine Wallbox mit Überschussladung kostet rund 2'000 bis 3'500 Franken inklusive Installation und rechnet sich bei regelmässigem Tagesladen in wenigen Jahren. Gerechnet mit einem mittleren Bezugspreis von 30 Rappen spart eine 8-kWp-Anlage einem Haushalt mit Elektroauto rund 1'340 Franken im Jahr, bei konsequentem Tagesladen gegen 1'700.
Wie viel Strom ein Elektroauto braucht
Ein Mittelklassewagen verbraucht rund 18 Kilowattstunden auf hundert Kilometer, gemessen ab Steckdose und damit inklusive Ladeverlusten. Bei 15'000 Kilometern im Jahr sind das etwa 2'700 Kilowattstunden. Rechnen Sie mit 3'000, dann sind Winterbetrieb und gelegentliche Schnellladungen unterwegs abgedeckt.
Damit liegt ein Elektroauto etwa auf halbem Weg zwischen einem Wärmepumpenboiler und einer Heizungswärmepumpe. Der Unterschied liegt nicht in der Menge, sondern in der Verteilung: Ein Auto fährt im Juli genauso wie im Januar. Im Winter steigt der Verbrauch zwar um zehn bis zwanzig Prozent, weil Batterie und Innenraum geheizt werden, aber das ist ein Aufschlag und kein Saisonproblem.
| Fahrleistung | Strombedarf | Kosten bei 30 Rp. ab Netz |
|---|---|---|
| 5'000 km, Zweitwagen | rund 900 kWh | rund CHF 270 |
| 10'000 km, Wenigfahrer | rund 1'800 kWh | rund CHF 540 |
| 15'000 km, Durchschnitt | rund 2'700 kWh | rund CHF 810 |
| 20'000 km, Pendler | rund 3'600 kWh | rund CHF 1'080 |
| 30'000 km, Vielfahrer | rund 5'400 kWh | rund CHF 1'620 |
Für die Beispiele auf dieser Seite rechnen wir mit 3'000 Kilowattstunden im Jahr, also gut 250 im Monat. Zusammen mit einem Haushaltsverbrauch von 4'500 Kilowattstunden ergibt das 7'500 im Jahr. Das ist deutlich weniger als mit einer Wärmepumpe, lässt sich dafür aber viel besser mit dem Solarertrag zur Deckung bringen.
Warum die Ladezeit alles entscheidet
Hier liegt der ganze Unterschied. Ein Elektroauto ist der flexibelste Verbraucher im Haus: Es ist völlig gleichgültig, wann die Batterie geladen wird, solange sie am Morgen voll genug ist. Genutzt wird diese Flexibilität aber nur, wenn das Auto tagsüber an der Wallbox hängt.
| Ladeverhalten | Anteil Solarstrom | Ersparnis im Jahr |
|---|---|---|
| Nur abends und nachts, ungesteuert | 10 bis 15 % | rund CHF 90 |
| Abends, aber mit Zeitschaltung am Wochenende | rund 25 % | rund CHF 180 |
| Zwei Tage Homeoffice, mit Überschussladung | rund 45 % | rund CHF 330 |
| Meist zu Hause, mit Überschussladung | bis 70 % | rund CHF 510 |
| Zum Vergleich: Wärmepumpe im Januar | rund 15 % | kaum beeinflussbar |
Die Spanne zwischen der ersten und der letzten Zeile beträgt rund fünfhundert Franken im Jahr, bei identischem Auto und identischer Anlage. Entschieden wird das nicht von der Technik, sondern von Ihrem Tagesablauf. Wer im Homeoffice arbeitet oder in Teilzeit, hat hier den grössten Hebel der ganzen Anlage.
Prüfen Sie ehrlich, wann Ihr Auto zu Hause steht, bevor Sie in eine Überschusssteuerung investieren. Wer fünf Tage die Woche um sieben Uhr wegfährt und um achtzehn Uhr zurückkommt, lädt fast ausschliesslich aus dem Netz. Dann bleibt am Wochenende immer noch ein schöner Effekt, aber die teure Regelung lohnt sich weniger als eine einfache Zeitschaltung.
Drei Zahlen zur Kombination
Gerechnet für ein Einfamilienhaus mit 4'500 Kilowattstunden Haushaltsstrom, einem Elektroauto mit 15'000 Kilometern und einer 8-kWp-Anlage.
18 Kilowattstunden auf hundert Kilometer zu 30 Rappen. Ein vergleichbarer Benziner kostet bei 6.5 Litern und CHF 1.80 rund 11.7 Rappen je Kilometer.
Gerechnet mit Gestehungskosten von rund 8 Rappen je Kilowattstunde. Das ist ein Viertel der Netzvariante und ein Achtel des Benziners.
Erreichbar, wenn das Auto werktags zu Hause steht und die Wallbox nach Solarüberschuss regelt. Bei reinem Nachtladen sind es 10 bis 15 Prozent.
Die ersten beiden Zahlen zeigen, warum sich diese Kombination so stark auswirkt: Der Wertunterschied zwischen eingekauftem und selbst erzeugtem Strom ist beim Auto derselbe wie im Haushalt, nur geht es um deutlich mehr Kilowattstunden. Die dritte Zahl sagt, wovon es abhängt. Nicht von der Anlage, nicht vom Auto, sondern davon, wann der Wagen in der Garage steht.
Das Auto ist der einzige Verbraucher, dem es egal ist, wann er dran ist.
Was eine Wallbox können muss
Nicht jede Ladestation kann mit Solarstrom umgehen. Fünf Eigenschaften entscheiden darüber, ob die Überschussladung bei Ihnen funktioniert oder nur auf dem Datenblatt steht.
Sie muss den Hausverbrauch kennen
Sie muss stufenlos regeln
Sie braucht eine Mindestladung
Sie sollte mit dem Auto sprechen
Sie muss ins Lastmanagement passen
Kosten: Eine einfache Wallbox ohne Steuerung kostet rund 1'200 bis 1'800 Franken inklusive Installation, eine mit Überschussladung und Lastmanagement rund 2'000 bis 3'500. Dazu kommt der Elektroanschluss, der je nach Abstand zum Verteiler stark schwankt. In vielen Gemeinden ist eine Anmeldung beim Netzbetreiber nötig, teils auch eine Bewilligung für die Steuerbarkeit.
Achten Sie beim Vergleich darauf, ob eine Wallbox einphasig oder dreiphasig regeln kann. Dreiphasige Geräte starten erst ab rund 4.2 Kilowatt Überschuss, einphasige schon ab 1.4. An einem bewölkten Tag ist das der Unterschied zwischen Laden und Nichtladen. Geräte, die automatisch zwischen ein- und dreiphasig umschalten, holen über das Jahr am meisten heraus, kosten aber mehr.
Fünf Situationen aus der Praxis
Suchen Sie die Zeile, die Ihrem Alltag am nächsten kommt. Die Empfehlung fällt je nach Situation deutlich anders aus, und in einem Fall raten wir von der teuren Lösung ab.
Pendler, Auto werktags weg
Teilzeit oder Homeoffice
Zweitwagen mit wenig Kilometern
Zwei Autos im Haushalt
Mehrfamilienhaus oder Mietobjekt
Was in allen fünf Fällen gilt: Ein Elektroauto lohnt sich mit einer Solaranlage immer besser als ohne, weil es die Eigenverbrauchsquote hebt. Wie stark, entscheidet Ihr Tagesablauf. Und wer heute noch abends lädt, kann morgen im Homeoffice sein; eine Wallbox mit Überschussfunktion kostet wenige hundert Franken mehr und hält fünfzehn Jahre.
Häufige Fragen zu Elektroauto und Solarstrom
Sagen Sie uns, wann Ihr Auto zu Hause steht
Das ist die wichtigste Angabe für diese Rechnung, wichtiger als das Automodell. Nennen Sie uns Adresse, Jahresverbrauch, Fahrleistung und Ihren üblichen Tagesablauf, dann rechnen wir durch, wie viel Solaranteil bei Ihnen realistisch ist und ob sich eine Wallbox mit Überschussladung lohnt. Wenn nicht, sagen wir das auch.
Thomas von Arx
Berater Energielösungen, Soltastic Basel GmbH
Wir sind ein Solarbetrieb und installieren auch Wallboxen. Diese Seite rät in einem der fünf beschriebenen Fälle ausdrücklich von der teureren Lösung ab. Die Angaben zu Verbrauch, Solaranteil und Wallbox-Preisen sind Erfahrungs- und Marktwerte für die Nordwestschweiz und können je nach Fahrzeug, Fahrprofil, Anlage und Installationsaufwand deutlich abweichen. Gerechnet ist mit einer 8-kWp-Südanlage, einem Bezugspreis von 30 Rappen, Gestehungskosten von 8 Rappen und einem Verbrauch von 18 Kilowattstunden je hundert Kilometer ab Steckdose. Die Tarife Ihrer Gemeinde finden Sie auf unseren Tarifseiten; sie reichen von 27.17 bis 43.61 Rappen. Verbindlich ist eine Berechnung an Ihrem Objekt.