Lohnt sich eine Solaranlage auf meinem Dach?
Drei Fragen entscheiden vorab, und sie sind in fünf Minuten beantwortet. Erst danach lohnt sich der Blick auf Ausrichtung, Verbrauch und Tarife, denn die bestimmen nur noch, wie stark es sich lohnt.
Lohnt sich eine Solaranlage auf meinem Dach?
Prüfen Sie zuerst drei Ausschlusskriterien: Steht die Dacheindeckung in weniger als zehn Jahren zur Sanierung an, ist die Hauptfläche dauerhaft verschattet, oder dürfen Sie als Eigentümerschaft überhaupt allein entscheiden? Trifft eines zu, ist die Antwort vorerst nein oder noch nicht. Trifft keines zu, lohnt sich eine Anlage auf fast jedem Schweizer Dach, und es geht nur noch um die Höhe. Die bestimmen vier Grössen: Ausrichtung und Neigung, Ihr Verbrauch und wann er anfällt, die nutzbare Fläche und die Spanne zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung in Ihrer Gemeinde. Ein Ost-West-Dach liefert rund 80 bis 85 Prozent eines Süddachs und ist damit kein Ausschlussgrund, ein Norddach dagegen selten sinnvoll. Neu seit Januar 2026 gewichtet ein fünfter Punkt stärker: Wer den Strom selbst verbraucht, ist besser dran als je zuvor, weil neue Anlagen höchstens 70 Prozent ihrer Modulleistung ins Netz einspeisen dürfen.
Drei Fragen, die vorab entscheiden
Diese drei Fragen klären Sie ohne Fachperson und ohne Besichtigung. Solange eine davon offen ist, lohnt sich keine Wirtschaftlichkeitsrechnung, weil die Antwort dann ohnehin nein oder noch nicht lautet.
Wie alt ist die Dacheindeckung?
Ist die Hauptfläche dauerhaft verschattet?
Dürfen Sie allein entscheiden?
Zwei dieser drei Ausschlussgründe sind zeitlich, nicht endgültig. Ein sanierungsbedürftiges Dach wird saniert, eine Eigentümergemeinschaft fasst irgendwann einen Beschluss. Nur die dauerhafte Verschattung durch ein Nachbargebäude bleibt, solange das Gebäude steht.
Was Ausrichtung und Neigung ausmachen
Hier wird am häufigsten übertrieben, in beide Richtungen. Süd ist das Optimum, aber der Abstand zu den anderen Ausrichtungen ist kleiner, als die meisten annehmen. Richtwerte für das Schweizer Mittelland.
| Ausrichtung und Neigung | Ertrag | Einordnung |
|---|---|---|
| Süd, rund 30 Grad | 100 % | Das Optimum, der Vergleichswert |
| Südost oder Südwest, 30 Grad | rund 95 % | Praktisch gleichwertig |
| Flachdach, aufgeständert | rund 90 % | Gut, braucht aber mehr Fläche wegen Reihenabstand |
| Ost-West, 30 Grad | rund 80 bis 85 % | Gut, gleichmässiger Tagesverlauf, höherer Eigenverbrauch |
| Nord, 30 Grad | rund 50 bis 60 % | Selten sinnvoll |
Ein Ost-West-Dach liefert übers Jahr weniger, verteilt den Ertrag aber gleichmässiger über den Tag: morgens und abends statt konzentriert um die Mittagszeit. Weil Sie morgens und abends zu Hause sind und mittags meistens nicht, erhöht das den Eigenverbrauch. In der Rechnung gleicht dieser Effekt einen Teil des Minderertrags wieder aus.
Praktische Folge: Die Ausrichtung ist fast nie ein Ausschlussgrund, ausser bei einem reinen Norddach. Sie verschiebt die Wirtschaftlichkeit um einige Jahre, sie kippt sie nicht. Wer wegen eines Ostwestdachs zweifelt, zweifelt an der falschen Stelle.
Drei Zahlen zur Einordnung
Wenn keines der drei Ausschlusskriterien zutrifft, sieht die Lage meistens besser aus als befürchtet.
Dachalter, Verschattung, Entscheidungsbefugnis. Mehr braucht es nicht, um zu wissen, ob sich eine genaue Rechnung überhaupt lohnt.
Der häufigste Grund, aus dem Leute fälschlich abwinken. Ein Ostwestdach ist gut, nicht schlecht, und der Eigenverbrauch steigt sogar.
Seit Januar 2026 dürfen neue Anlagen höchstens 70 Prozent ihrer Modulleistung ins Netz einspeisen. Das klingt nach viel und kostet laut EKZ üblicherweise weniger als ein Prozent der Jahresproduktion, weil Anlagen diese Spitze nur selten und kurz erreichen. Wer den Überschuss selbst verbraucht oder speichert, verliert gar nichts.
Fast jedes Schweizer Dach ohne Ausschlusskriterium trägt eine Anlage, die sich über ihre Laufzeit rechnet. Die interessante Frage ist deshalb selten ob, sondern wie stark, wie gross und wann. Und diese Fragen beantwortet nicht die Ausrichtung, sondern Ihr Verbrauch und Ihr Tarif.
Ob es sich lohnt, entscheidet das Dach. Wie stark, entscheidet Ihre Gemeinde.
Die Selbstprüfung in acht Schritten
Nehmen Sie Ihre letzte Stromrechnung und eine halbe Stunde Zeit. Danach wissen Sie ungefähr, woran Sie sind, und können jedes Beratungsgespräch auf Augenhöhe führen.
Die drei Ausschlussfragen beantworten
Jahresverbrauch ablesen
Bezugspreis und Einspeisevergütung notieren
Nutzbare Dachfläche schätzen
Anlagengrösse bestimmen
Jahresertrag schätzen
Jahresnutzen überschlagen
Amortisation ausrechnen
Kommen Sie auf eine Amortisation unter fünfzehn Jahren, ist die Sache klar. Zwischen fünfzehn und zwanzig lohnt sich eine genaue Rechnung mit echten Werten. Darüber sollten Sie die Annahmen prüfen: Meistens liegt es an einer sehr kleinen Anlage, einem tiefen Verbrauch oder einer hohen Einspeisevergütung, die den Eigenverbrauch weniger wertvoll macht.
Was Sie selbst nicht prüfen können
Vier Dinge entziehen sich der Selbstprüfung. Sie ändern selten das Ob, aber häufig das Wie und manchmal den Preis erheblich.
Verschattung über das ganze Jahr
Tragfähigkeit des Dachs
Zustand von Eindeckung und Unterdach
Anschlusssituation im Haus
Alle vier klärt eine Besichtigung. Genau dafür ist der kostenlose Dachcheck da: Er beantwortet die Fragen, die Sie vom Boden aus nicht beantworten können, und liefert Ihnen die Zahlen für eine belastbare Rechnung.
Häufige Fragen zur Eignung
Lohnt sich eine Solaranlage auf meinem Dach?
Prüfen Sie zuerst drei Ausschlusskriterien: Dachsanierung in weniger als zehn Jahren, dauerhafte Verschattung der Hauptfläche, fehlende Entscheidungsbefugnis bei Stockwerkeigentum oder Miete. Trifft keines zu, lohnt sich eine Anlage auf fast jedem Schweizer Dach. Wie stark, bestimmen Ausrichtung, Verbrauch, Fläche und die Tarife Ihrer Gemeinde.
Ändert die 70-Prozent-Regel etwas an der Rechnung?
Kaum, und sie ist kein Ausschlussgrund. Seit dem 1. Januar 2026 dürfen neu installierte Anlagen höchstens 70 Prozent ihrer installierten Modulleistung ins Netz einspeisen, bei bestehenden Anlagen gilt das ab dem Ersatz des Wechselrichters. Kleinstanlagen unter 0.8 kWp sind ausgenommen. Weil Anlagen diese Spitze nur selten und kurz erreichen, liegt der Verlust laut EKZ üblicherweise unter einem Prozent der Jahresproduktion. Eigenverbrauch und Speicherung sind ausdrücklich nicht betroffen: Wer den Überschuss selbst nutzt, verliert gar nichts.
Lohnt sich ein Ost-West-Dach?
Ja. Es liefert rund 80 bis 85 Prozent eines Süddachs, verteilt den Ertrag aber gleichmässiger über den Tag. Weil Sie morgens und abends zu Hause sind, steigt dadurch der Eigenverbrauch, was einen Teil des Minderertrags ausgleicht. Ein Ostwestdach ist kein Ausschlussgrund.
Lohnt sich ein Norddach?
Selten. Mit rund 50 bis 60 Prozent des Ertrags einer Südanlage verlängert sich die Amortisation so stark, dass die Rechnung meistens nicht mehr aufgeht. Prüfen Sie stattdessen, ob eine kleinere Fläche nach Süden, Osten oder Westen verfügbar ist.
Was ist bei Verschattung noch möglich?
Teilverschattung an den Rändern lässt sich mit Leistungsoptimierern oder einer geschickten Aufteilung der Strings abfedern. Ist die Hauptfläche dauerhaft verschattet, etwa durch ein höheres Nachbargebäude, hilft keine Technik. Entscheidend ist die Situation im Winter, wenn die Sonne tief steht.
Wie gross muss das Dach sein?
Ein Kilowatt Peak braucht rund 4.2 Quadratmeter Modulfläche. Eine typische 8-kWp-Anlage belegt also rund 34 Quadratmeter Module, in der Praxis 42 bis 50 Quadratmeter Dach, weil Randabstände, Kamine und Dachfenster Platz brauchen.
Lohnt sich eine Anlage bei kleinem Verbrauch?
Weniger. Kleine Anlagen kosten pro Kilowatt mehr, und ohne Wärmepumpe oder Elektroauto bleibt der Eigenverbrauch tief, sodass der grosse Teil zu Vergütungssätzen eingespeist wird. Rechnen Sie in diesem Fall besonders sorgfältig und beziehen Sie ein, was in fünf Jahren dazukommt.
Ich wohne zur Miete, geht das trotzdem?
Nur mit Zustimmung der Eigentümerschaft, und die Anlage gehört dann in der Regel dieser. Sinnvoller ist meistens, das Interesse anzumelden und die Eigentümerschaft rechnen zu lassen. Bei Stockwerkeigentum braucht es einen Beschluss der Gemeinschaft.
Wie genau ist eine solche Selbstprüfung?
Genau genug, um zu wissen, ob sich eine Offerte lohnt, und zu ungenau für eine Investitionsentscheidung. Verschattung über das Jahr, Statik, Zustand der Eindeckung und die Anschlusssituation im Haus lassen sich vom Boden aus nicht beurteilen.
Wir schauen uns Ihr Dach an
Sie haben die Selbstprüfung gemacht und wollen die vier Punkte klären, die vom Boden aus nicht zu sehen sind? Wir fliegen Ihr Dach mit der Drohne ab und rechnen mit den Tarifen Ihrer Gemeinde. Kostenlos, unverbindlich und mit dem Ergebnis auch dann, wenn es gegen eine Anlage spricht.
Thomas von Arx
Berater Energielösungen, Soltastic Basel GmbH
Aktualisiert am 9. September 2026. Wir sind ein Solarbetrieb und verdienen an gebauten Anlagen. Ertragsangaben nach Ausrichtung sind Richtwerte für das Schweizer Mittelland und hängen von Höhenlage, Horizont und Verschattung ab. Die Selbstprüfung liefert eine Grössenordnung und ersetzt keine Planung: Verschattung über das Jahr, Tragfähigkeit, Zustand der Eindeckung und die Anschlusssituation lassen sich vom Boden aus nicht beurteilen. Angaben zur netzdienlichen Einspeiseregelung stützen sich auf das revidierte Stromversorgungsgesetz und die Branchenempfehlung des VSE, in Kraft seit 1. Januar 2026; die Umsetzung regelt Ihr Netzbetreiber. Angaben zu Anlagenpreis und Einmalvergütung sind Marktrichtwerte 2026; verbindlich sind eine Offerte und der Tarifrechner von Pronovo.