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Bezirk Thal

Stromkosten Balsthal: neuer Netzbetreiber ab 2027

32.69 Rappen je Kilowattstunde, achtzehn Prozent über dem Schweizer Median. Auf 2027 wechselt Balsthal die Netzbetreiberin: Primeo Energie pachtet das Netz der AVAG, und die Tarife beider Gebiete werden vereinheitlicht.

Kurz beantwortet

Was kostet Strom in Balsthal, und was ändert 2027?

Balsthal wird von der Aare Versorgungs AG versorgt, einer eigenständigen Netzbetreiberin mit sechzehn Gemeinden, deren Netzbetrieb schon bisher bei Primeo Energie lag. Ein Haushalt der Kategorie H4 mit rund 4'500 Kilowattstunden zahlt 2026 insgesamt 32.69 Rappen je Kilowattstunde oder rund 1'471 Franken im Jahr. Der Preis setzt sich zusammen aus 15.20 Rappen Energie, 12.62 Rappen Netznutzung, 2.30 Rappen Netzzuschlag des Bundes, 1.50 Rappen Abgaben an das Gemeinwesen und 1.07 Rappen für das Messwesen. Damit liegt Balsthal achtzehn Prozent über dem Schweizer Median, und der Aufpreis stammt zu rund zwei Dritteln aus der Energiebeschaffung. Auf den 1. Januar 2027 ändert sich die Struktur: Die AVAG verpachtet ihr Stromnetz an Primeo Energie, die Primeo Netz AG übernimmt die Verantwortung als Netzbetreiberin, und die Tarife beider Netzgebiete werden vereinheitlicht. Primeo senkt die Grundversorgungstarife 2027 im Schnitt um rund zwei Prozent und bezeichnet die Verpachtung selbst als massgeblichen Beitrag zur Entlastung der künftig gemeinsamen Tarife. Eine 8-kWp-Solaranlage senkt die Rechnung um rund 1'170 Franken, mit Verbrauchsverlagerung in die Mittagsstunden um etwa 1'640 Franken.

Kapitel 1

Woraus sich der Preis zusammensetzt

Ein Strompreis besteht aus fünf Teilen. Zwei davon setzt Ihr Werk, einen der Bund, einen die Gemeinde, und einer ist seit 2026 neu ausgewiesen. Die letzte Spalte zeigt, wie Balsthal im Vergleich zum Schweizer Median dasteht.

Tabelle 1: Preisbestandteile Balsthal 2026 im Vergleich zum Schweizer Median
BestandteilBalsthalCH-Median
Energie15.20 Rp.12.11 Rp., also 25 Prozent tiefer
Netznutzung12.62 Rp.10.74 Rp., also 18 Prozent tiefer
Netzzuschlag des Bundes2.30 Rp.2.30 Rp., überall gleich
Abgaben an das Gemeinwesen1.50 Rp.1.00 Rp., also 50 Prozent tiefer
Messwesen, seit 2026 separat1.07 Rp.1.65 Rp., hier ist Balsthal günstiger
Total32.69 Rp.27.70 Rp., also 18 Prozent tiefer

Rechnen Sie nach, woher die 4.99 Rappen über dem Median stammen: 3.09 aus der Energie, 1.89 aus der Netznutzung, 0.50 aus den Abgaben, und 0.58 gehen beim Messwesen wieder ab. Rund zwei Drittel des Aufpreises entfallen damit auf einen einzigen Posten, nämlich den Stromeinkauf.

Eine Besonderheit betrifft die Abgaben. Netznutzung, Energie, Messwesen und Netzzuschlag sind bei der AVAG in allen sechzehn Gemeinden identisch. Nur die Konzessionsabgabe an das Gemeinwesen unterscheidet sich, und sie reicht von 0.70 bis 1.50 Rappen. Balsthal liegt mit 1.50 Rappen am oberen Ende dieser Spanne. Gegenüber der günstigsten AVAG-Gemeinde sind das 0.80 Rappen oder rund 36 Franken im Jahr, und es ist der einzige Teil des Strompreises, über den in Balsthal selbst entschieden wird.

Kapitel 2

Was Ihr Haushalt im Jahr zahlt

Gerechnet mit dem Gesamtpreis von 32.69 Rappen. Ihren Verbrauch in Kilowattstunden finden Sie auf der letzten Stromrechnung.

Tabelle 2: Jahresrechnung in Balsthal nach Verbrauch
HaushaltVerbrauchKosten im Jahr
Zwei Personen, Wohnung2'500 kWhrund CHF 817
Fünfzimmerwohnung, Kategorie H44'500 kWhrund CHF 1'471
Haus mit Elektroboiler6'500 kWhrund CHF 2'125
Haus mit Wärmepumpe9'000 kWhrund CHF 2'942
Haus mit Wärmepumpe und Elektroauto12'000 kWhrund CHF 3'923

Zum Vergleich mit den Nachbargemeinden: Derselbe Haushalt mit 4'500 Kilowattstunden zahlt in Oensingen rund 1'246 Franken, in Kestenholz rund 1'962. Balsthal liegt damit im oberen Mittelfeld unserer Region, deutlich über dem Landesschnitt, aber weit entfernt vom Extremfall im Nachbarbezirk.

Kapitel 3

Drei Zahlen zum Einsparpotenzial

Gerechnet für ein Einfamilienhaus mit 4'500 Kilowattstunden und einer 8-kWp-Anlage auf einem Süddach.

CHF 1'471Ihre Rechnung heute

Ein Haushalt mit 4'500 Kilowattstunden zu 32.69 Rappen, inklusive sämtlicher Abgaben und des neuen Messtarifs.

CHF 1'170Mit Anlage, ohne Zutun

Was eine 8-kWp-Anlage bringt, wenn Sie nichts ändern. Rund ein Drittel des Ertrags wird selbst genutzt, der Rest eingespeist.

CHF 1'640Mit Verbrauch am Mittag

Dieselbe Anlage bei rund fünfundfünfzig Prozent Eigenverbrauch. Das deckt mehr als die gesamte heutige Stromrechnung ab.

Die dritte Zahl liegt über der ersten, und das ist kein Rechenfehler. Bei fünfundfünfzig Prozent Eigenverbrauch sparen Sie mehr, als Ihr Strom heute kostet, weil die Einspeisevergütung für den übrigen Ertrag als Gutschrift dazukommt. Möglich macht das nicht die Anlage, sondern der Tarif: Jede Kilowattstunde, die Sie in Balsthal nicht kaufen müssen, ist 32.69 Rappen wert.

Fünfhundert Franken Unterschied, und keiner davon kostet eine Investition.

Kapitel 4

Die Ersparnis Schritt für Schritt

So kommen die 1'170 und die 1'640 Franken zustande. Sie können die Rechnung mit Ihren eigenen Werten wiederholen.

01

Der Ertrag der Anlage

Eine 8-kWp-Anlage auf einem Süddach liefert im Schweizer Mittelland rund 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak, also etwa 7'600 Kilowattstunden im Jahr. Bei Ost-West-Ausrichtung sind es rund 800 je Kilowatt.
02

Der Teil, den Sie selbst nutzen

Ohne weitere Massnahmen rund dreissig Prozent, also 2'280 Kilowattstunden. Diese sparen den vollen Bezugspreis von 32.69 Rappen, macht rund 745 Franken.
03

Der Teil, den Sie einspeisen

Die übrigen 5'320 Kilowattstunden gehen ins Netz. Mit vorsichtig gerechneten 8 Rappen ergibt das rund 426 Franken. Der Unterschied zum Eigenverbrauch ist deutlich: 8 gegenüber 32.69 Rappen.
04

Beides addiert

Rund 745 Franken gesparter Bezug plus rund 426 Franken Vergütung ergeben etwa 1'170 Franken im Jahr. Ihre Stromrechnung sinkt damit von 1'471 auf gut 700 Franken, dazu kommt die Vergütung als Gutschrift.
05

Und jetzt mit Verlagerung

Boiler, Waschmaschine, Geschirrspüler und das Laden des Autos in die Mittagsstunden gelegt, steigt der Eigenverbrauch auf rund fünfundfünfzig Prozent. Aus 2'280 werden 4'180 selbst genutzte Kilowattstunden, aus 1'170 Franken werden rund 1'640.

Bei rund CHF 16'000 Investition nach Einmalvergütung ergibt das eine Amortisation von rund vierzehn Jahren ohne und knapp zehn Jahren mit Verbrauchsverlagerung. Kommt bei einem bestehenden Gebäude der Steuerabzug dazu, sinkt der zweite Wert auf gut sieben Jahre.

Zur Einspeisevergütung: Die AVAG vergütet nach dem vierteljährlich gemittelten Referenzmarktpreis, abgesichert durch die gesetzlichen Mindestvergütungen. Eine Besonderheit betrifft den Herkunftsnachweis, den die AVAG historisch unterschiedlich vergütete, je nachdem ob Sie direkt einspeisen oder Eigenverbrauch betreiben. Wir rechnen vorsichtig mit insgesamt 8 Rappen. Fragen Sie den aktuellen Ansatz nach, bevor Sie eine Offerte unterschreiben; auf das Ergebnis wirkt er weniger stark als der Eigenverbrauch.

Kapitel 5

Was sich 2027 ändert

Zwei Dinge passieren gleichzeitig. Erstens sinkt der Preis weiter, aber langsam. Zweitens wechselt Balsthal die Netzbetreiberin. Der Blick auf fünf Jahre erklärt das eine, die Medienmitteilung von Primeo das andere.

Tabelle 3: Preisentwicklung in Balsthal seit 2022, Stand vor der Tarifharmonisierung 2027
JahrEnergieGesamtpreis
2022, vor der Krise7.79 Rp.23.19 Rp.
2023, der Sprung16.73 Rp.31.95 Rp.
202416.52 Rp.33.35 Rp.
202516.39 Rp.33.35 Rp.
202615.20 Rp.32.69 Rp.

Entscheidend ist die mittlere Spalte. Der Energiepreis verdoppelte sich 2023 innerhalb eines Jahres und ist seither in drei Jahren um lediglich 1.53 Rappen zurückgekommen. Bei diesem Tempo dauerte es bis weit in die 2030er-Jahre, bis das Niveau von 2022 wieder erreicht wäre. Beschaffungsverträge laufen über Jahre, und die teuren Jahrgänge wirken entsprechend lange nach. Auf 2027 kommt eine strukturelle Änderung dazu. Per 1. Januar verpachtet die AVAG ihr Stromnetz in der Region Olten an Primeo Energie, die Primeo Netz AG übernimmt die Verantwortung als Netzbetreiberin, und die Tarife beider Netzgebiete werden vereinheitlicht. Für Balsthal heisst das: Der Tarif richtet sich künftig nicht mehr nach einer eigenen AVAG-Struktur, sondern nach der gemeinsamen Primeo-Struktur. Primeo senkt die Grundversorgungstarife 2027 im Schnitt um rund zwei Prozent, für einen Haushalt mit 4'500 Kilowattstunden sind das rund 30 Franken im Jahr.

Bemerkenswert ist die Begründung. Primeo nennt als Hintergrund der Verpachtung die steigenden Anforderungen an die Energiewirtschaft, ausdrücklich die Integration von Solarstrom in das Netz, Flexibilitäten und neue Regulatorien. Der Betrieb der Stromnetze werde dadurch zunehmend komplexer und kostenintensiver. Zwei kleinere Netzbetreiber legen also zusammen, weil der Solarausbau den Netzbetrieb anspruchsvoller macht. Und Primeo hält fest, dass genau diese Verpachtung massgeblich zur Entlastung der künftig gemeinsamen Tarife beiträgt. Für Sie als Eigentümerin oder Eigentümer bleibt die Rechnung dieselbe: Wer eine Anlage plant, sollte nicht darauf setzen, dass der Strompreis von selbst fällt, aber auch nicht mit dauerhaft hohen Preisen kalkulieren. Wir rechnen mit dem heutigen Tarif und prüfen zusätzlich, ob die Rechnung auch beim Schweizer Mittelwert von 26.5 Rappen noch trägt. In Balsthal tut sie das.

Kapitel 6

Häufige Fragen zum Strom in Balsthal

Wir rechnen mit Ihrem Verbrauch

Die Zahlen auf dieser Seite gelten für einen Musterhaushalt. Ihre Rechnung hängt an Ihrem Dach und daran, wann Sie zu Hause sind. Nennen Sie uns Ihre Adresse und Ihren Jahresverbrauch, dann erfassen wir das Dach und rechnen beide Varianten durch, mit und ohne Verlagerung in die Mittagsstunden. Den aktuellen Rücklieferansatz der AVAG und die Tarife nach dem Netzbetreiberwechsel auf Primeo klären wir dabei gleich mit ab.

Ihr Ansprechpartner
Thomas von Arx, Berater Energielösungen bei Soltastic Basel

Thomas von Arx

Berater Energielösungen, Soltastic Basel GmbH

Transparenzhinweis und Quellen

Aktualisiert am 12. September 2026. Wir sind ein Solarbetrieb und verdienen an gebauten Anlagen. Die Tarifdaten für 2026 stammen aus der Strompreisübersicht der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom beziehungsweise dem LINDAS-Datensatz und beziehen sich auf die Verbrauchskategorie H4 mit rund 4'500 Kilowattstunden im Jahr. Die Angaben zur Verpachtung des AVAG-Netzes an Primeo Energie, zur Tarifharmonisierung und zur durchschnittlichen Senkung um rund zwei Prozent stammen aus der Medienmitteilung von Primeo Energie vom 28. August 2026. Der Schweizer Mittelwert von 26.5 Rappen für 2027 stammt aus der ElCom-Publikation vom 8. September 2026. Den gemeindespezifischen Tarif für Balsthal im Jahr 2027 haben wir noch nicht verifiziert und tragen ihn nach, sobald er vorliegt; die Zahlen in Tabelle 1 bis 3 sind deshalb Werte für 2026. Für die Richtigkeit der Tarifdaten sind die Versorger verantwortlich; verbindlich ist Ihre Stromrechnung. Die Ersparnisrechnung beruht auf einer 8-kWp-Südanlage mit 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak, einem Eigenverbrauch von 30 beziehungsweise 55 Prozent und einer vorsichtig angenommenen Einspeisevergütung von 8 Rappen; der tatsächliche Ansatz folgt dem vierteljährlichen Referenzmarktpreis und ist beim Netzbetreiber zu erfragen.