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Bezirk Gäu

Warum Strom in Kestenholz am teuersten bleibt, und was Sie tun können

45.88 Rappen je Kilowattstunde ab Januar 2027, erneut Schweizer Höchstwert. Während die Tarife landesweit um vier Prozent sinken, steigen sie hier um fünf. Und der Treiber hat gewechselt: Neu ist es das Netz, nicht mehr der Einkauf.

Kurz beantwortet

Warum ist Strom in Kestenholz so teuer?

Mit 45.88 Rappen je Kilowattstunde hat Kestenholz auch 2027 den höchsten Stromtarif der Schweiz. Gegenüber 2026 mit 43.61 Rappen sind das 2.27 Rappen oder 5.2 Prozent mehr, während der Schweizer Mittelwert laut ElCom um vier Prozent auf 26.5 Rappen sinkt. Der Abstand zum Landesmittel wächst damit auf 19.4 Rappen. Aufschlussreich ist die Aufschlüsselung: Die Energie steigt nur um 0.80 Rappen auf 26.30, die Netznutzung dagegen um 1.47 Rappen oder 12.3 Prozent auf 13.45. Der Kostentreiber ist 2027 also nicht mehr der Beschaffungsvertrag aus dem Krisenjahr 2022, sondern das Netz. Dazu kommt ein Detail, das die Grösse des Werks verrät: Der Messtarif beträgt in Kestenholz 2.93 Rappen je Kilowattstunde, im nahen Himmelried bei Primeo Netz nur 1.07. Ein Haushalt mit 4'500 Kilowattstunden zahlt in Kestenholz rund 2'065 Franken im Jahr, gegenüber rund 1'193 Franken beim Schweizer Mittelwert. Genau deshalb rechnet sich eine Solaranlage hier schneller als fast überall sonst in der Schweiz.

Kapitel 1

Wie es dazu kam

Der höchste Strompreis der Schweiz ist kein Zufall und kein Versehen. Er ist das Ergebnis einer Kette von Entscheidungen und Umständen, die sich in fünf Schritten erzählen lässt.

01

Die eigene Elektra

Im Kanton Solothurn leisten sich viele Gemeinden ein eigenes Stromversorgungsunternehmen, oft genossenschaftlich oder als Aktiengesellschaft organisiert. Das hat Vorteile bei der lokalen Verankerung, aber einen strukturellen Nachteil: Verwaltung und Netz kosten ähnlich viel wie bei einem grossen Werk, verteilen sich aber auf sehr viel weniger Kundinnen und Kunden.
02

Der Einkauf von 2022

Im Jahr 2022 stand Europa mitten in der Energiekrise. Kleine Versorger müssen ihren Strom am Markt beschaffen und sichern sich üblicherweise über mehrere Jahre ab, um Preisschwankungen zu glätten. Kestenholz schloss in dieser Zeit einen langfristigen Beschaffungsvertrag ab, und zwar zu den damals herrschenden Spitzenpreisen.
03

Die Falle der Langfristigkeit

Genau das, was den Vertrag damals attraktiv machte, wirkt heute gegen die Gemeinde. Weil er weiterläuft, profitiert Kestenholz nicht davon, dass die Marktpreise seither wieder deutlich gefallen sind. Andere Versorger konnten ihre Verträge auslaufen lassen und günstiger nachkaufen.
04

Die Schere geht auf

Während der Strom 2026 in rund 1'300 Schweizer Gemeinden günstiger wurde, stieg der Preis in Kestenholz um mehr als einen Fünftel. Damit löste die Gemeinde Grub im Appenzellerland als teuerste der Schweiz ab.
05

2027 wechselt der Treiber

Auf 2027 steigt der Tarif erneut, von 43.61 auf 45.88 Rappen. Das sind 5.2 Prozent mehr, während die Schweiz laut ElCom um vier Prozent auf 26.5 Rappen sinkt. Bemerkenswert ist die Aufschlüsselung: Die Energie legt nur um 0.80 Rappen zu, die Netznutzung dagegen um 1.47 Rappen oder 12.3 Prozent. Der Beschaffungsvertrag ist also nicht mehr allein schuld. Neu treibt das Netz, und das ist strukturell: Ein Netz für rund 1'900 Einwohner kostet pro Anschluss mehr als eines für eine Stadt.

Wichtig ist dabei die Einordnung: Im Sommer 2022 war völlig unklar, ob im folgenden Winter überhaupt genug Strom verfügbar sein würde. Der Bund bereitete Kontingentierungen vor, die Preise an der Strombörse verzehnfachten sich zeitweise. Wer damals langfristig einkaufte, sicherte Versorgung und Planbarkeit. Dass dieselbe Entscheidung heute teuer aussieht, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand.

Entscheidend für Sie als Haushalt ist aber nicht, wer wann was hätte wissen können. Entscheidend ist, dass Sie an dieser Situation nichts ändern können: Als Haushalt dürfen Sie den Lieferanten nicht wechseln, der freie Strommarkt beginnt erst ab 100'000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Was Sie ändern können, ist die Menge Strom, die Sie überhaupt einkaufen müssen.

Kapitel 2

Was Ihr Haushalt im Jahr zahlt

Gerechnet mit 45.88 Rappen je Kilowattstunde, dem Kestenholzer Tarif 2027. Zum Vergleich steht in der letzten Spalte, was derselbe Haushalt beim Schweizer Mittelwert von 26.5 Rappen zahlen würde, den die ElCom für 2027 ausweist.

Tabelle 1: Jahresrechnung in Kestenholz 2027, verglichen mit dem Schweizer Mittelwert
HaushaltKestenholzSchweizer Mittel
Zwei Personen, Wohnung, 2'500 kWhrund CHF 1'147rund CHF 663
Fünfzimmerwohnung, 4'500 kWhrund CHF 2'065rund CHF 1'193
Haus mit Elektroboiler, 6'500 kWhrund CHF 2'982rund CHF 1'723
Haus mit Wärmepumpe, 9'000 kWhrund CHF 4'129rund CHF 2'385
Wärmepumpe und Elektroauto, 12'000 kWhrund CHF 5'506rund CHF 3'180

Die letzte Spalte ist die eigentliche Nachricht. Ein Haushalt mit Wärmepumpe und Elektroauto zahlt in Kestenholz rund 2'326 Franken mehr im Jahr als derselbe Haushalt zum Schweizer Mittelwert, für exakt dieselbe Strommenge. Über zehn Jahre sind das gegen 23'000 Franken, also deutlich mehr als eine ganze Solaranlage kostet. Und der Abstand ist 2027 grösser geworden, nicht kleiner.

Im Vergleich

Kestenholz und die Nachbarschaft

Strompreise 2026 in Rappen je Kilowattstunde, Verbrauchskategorie H4. Alle Gemeinden, zu denen wir eine eigene Tarifseite führen, im direkten Vergleich mit dem Schweizer Median. Die Werte für 2027 liegen noch nicht für alle Gemeinden vor, weshalb dieses Diagramm bewusst beim Vergleichsjahr 2026 bleibt.

Abbildung 2: Strompreise 2026 im Vergleich, Quelle ElCom

Vier Kilometer trennen Kestenholz von Oensingen, und knapp sechzehn Rappen. Klicken Sie auf einen Balken, um zur jeweiligen Gemeindeseite mit den Einzelheiten zu gelangen. Für 2027 verändert sich das Bild zuungunsten von Kestenholz: Der Tarif steigt auf 45.88 Rappen, während der Schweizer Mittelwert laut ElCom auf 26.5 Rappen sinkt.

Kapitel 3

Drei Zahlen, die alles sagen

Alle drei Zahlen zeigen dasselbe: was Sie am Jahresende für Strom bezahlen. Gerechnet für ein Einfamilienhaus mit 4'500 Kilowattstunden und einer 8-kWp-Anlage auf einem Süddach.

CHF 2'065Heute, ohne Anlage

4'500 Kilowattstunden zu 45.88 Rappen, dem Kestenholzer Tarif 2027. Derselbe Haushalt zahlt beim Schweizer Mittelwert von 26.5 Rappen rund 1'193 Franken, also 872 Franken weniger.

CHF 593Mit Solaranlage

Sie kaufen noch 2'220 statt 4'500 Kilowattstunden. Die Einspeisevergütung von 426 Franken ist bereits abgezogen.

CHF 127 ErstattungMit Solaranlage, Verbrauch am Mittag

Bei rund fünfundfünfzig Prozent Eigenverbrauch bleiben 320 Kilowattstunden zu kaufen. Die Vergütung ist höher als die Rechnung.

Vor der dritten Zahl steht ein Minus. Sie bekommen am Jahresende Geld, statt welches zu bezahlen. Das liegt nicht an der Anlage, die liefert in Kestenholz genau gleich viel wie anderswo im Mittelland. Es liegt am Tarif. Wo die Kilowattstunde 45.88 Rappen kostet, ist jede, die Sie nicht kaufen müssen, entsprechend viel wert. Und weil der Tarif 2027 weiter gestiegen ist, während er landesweit sinkt, gilt das heute stärker als im Vorjahr.

Der teuerste Strom der Schweiz macht das eigene Dach zum wertvollsten.

Kapitel 4

Die Ersparnis Schritt für Schritt

So kommen die Zahlen aus Kapitel 3 zustande. Sie können die Rechnung mit Ihren eigenen Werten wiederholen, alles Nötige steht auf Ihrer Stromrechnung.

01

Der Ertrag der Anlage

Eine 8-kWp-Anlage auf einem Süddach liefert im Schweizer Mittelland rund 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak, also etwa 7'600 Kilowattstunden im Jahr. Bei Ost-West-Ausrichtung sind es rund 800 je Kilowatt, also gut 6'400 Kilowattstunden.
02

Der Teil, den Sie selbst nutzen

Ohne weitere Massnahmen rund dreissig Prozent, also 2'280 Kilowattstunden. Diese sparen den vollen Bezugspreis von 45.88 Rappen, macht rund 1'046 Franken. Beim Schweizer Mittelwert von 26.5 Rappen wären es für dieselbe Menge nur 604 Franken.
03

Der Teil, den Sie einspeisen

Die übrigen 5'320 Kilowattstunden gehen ins Netz. Mit vorsichtig gerechneten 8 Rappen ergibt das rund 426 Franken. Der Unterschied zum Eigenverbrauch ist hier besonders krass: 8 gegenüber 43.61 Rappen, also mehr als das Fünffache.
04

Beides zusammengezählt

Rund 1'046 Franken gesparter Bezug plus rund 426 Franken Vergütung ergeben etwa 1'472 Franken im Jahr. Ihre Rechnung sinkt damit von 2'065 auf 593 Franken.
05

Und jetzt mit Verlagerung

Boiler, Waschmaschine, Geschirrspüler und das Laden des Autos in die Mittagsstunden gelegt, steigt der Eigenverbrauch auf rund fünfundfünfzig Prozent. Aus 2'280 werden 4'180 selbst genutzte Kilowattstunden. Sie kaufen noch für 147 Franken Strom und erhalten 274 Franken Vergütung. Unter dem Strich bleiben 127 Franken zu Ihren Gunsten.

Bei rund CHF 16'000 Investition nach Einmalvergütung ergibt das eine Amortisation von knapp elf Jahren ohne und rund sieben Jahren mit Verbrauchsverlagerung. Kommt bei einem bestehenden Gebäude der Steuerabzug dazu, sinkt der zweite Wert auf gegen fünf Jahre. Das sind Werte, die in kaum einer anderen Schweizer Gemeinde erreicht werden, und der Grund dafür ist einzig der Tarif.

Eine Unbekannte bleibt: Was Energie Kestenholz für eingespeisten Strom vergütet, ist uns nicht bekannt. Wir rechnen vorsichtig mit 8 Rappen, also der gesetzlichen Mindestvergütung von 6 Rappen für Anlagen unter 30 Kilowatt plus einem üblichen Ansatz für den Herkunftsnachweis. Fragen Sie den tatsächlichen Wert nach, bevor Sie eine Offerte unterschreiben. Wichtig: Auf das Ergebnis wirkt diese Zahl hier weniger stark als anderswo, weil der grosse Hebel im Eigenverbrauch liegt und nicht in der Einspeisung.

Kapitel 5

Was sich ändern könnte, und was nicht

Die naheliegende Frage lautet: Muss ich überhaupt etwas tun, oder löst sich das von selbst? Fünf Punkte dazu, drei davon sind Hoffnungen, zwei sind Tatsachen.

01

Hoffnung: Der Vertrag läuft aus

Beschaffungsverträge sind endlich. Wann genau der Kestenholzer ausläuft und zu welchen Konditionen dann nachgekauft wird, ist öffentlich nicht bekannt. Fragen Sie an der Gemeindeversammlung nach, das ist der Ort, an dem eine eigene Elektra Rechenschaft ablegt.
02

Hoffnung: Ein Zusammenschluss

Grössere Versorger haben tiefere Verwaltungskosten je Kunde und verhandeln bessere Einkaufspreise. In der Region gibt es Beispiele für Zusammenschlüsse. Ein solcher Schritt ist aber ein politischer Prozess und dauert Jahre.
03

Hoffnung: Sinkende Marktpreise

Die Beschaffungspreise sind seit 2023 gefallen, und genau davon profitieren die übrigen Gemeinden: Die ElCom meldet für 2027 einen Schweizer Mittelwert von 26.5 Rappen, vier Prozent weniger als 2026. In Kestenholz kommt dieser Effekt nicht an, im Gegenteil. Und 2027 zeigt sich, dass der Einkauf nicht mehr der einzige Treiber ist: Die Energie legt nur um 0.80 Rappen zu, die Netznutzung um 1.47. Ein sinkender Marktpreis allein würde das Problem also nicht mehr lösen.
04

Tatsache: Sie können nicht wechseln

Der freie Strommarkt beginnt in der Schweiz erst ab 100'000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Kein Haushalt und kaum ein Kleinbetrieb erreicht das. Sie sind an Ihren Grundversorger gebunden, unabhängig davon, was er verlangt.
05

Tatsache: Eigenverbrauch wirkt sofort

Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach, die Sie selbst nutzen, spart hier 45.88 Rappen. Das ist der einzige Hebel, der ohne fremde Zustimmung funktioniert, und in Kestenholz ist er stärker als irgendwo sonst in der Schweiz. 2027 sogar stärker als im Vorjahr, weil der Tarif erneut gestiegen ist.

Zusammengefasst: Es kann besser werden, aber niemand kann Ihnen sagen wann und um wie viel. Eine Solaranlage dagegen wirkt ab dem ersten Sonnentag und unabhängig davon, was der Versorger tut. Und selbst wenn der Tarif eines Tages auf das Schweizer Mittel fällt, bleibt die Anlage rentabel, dann eben mit den Zahlen, die auf unserer Oensinger Seite stehen.

Kapitel 6

Häufige Fragen zum Strom in Kestenholz

Den Tarif ändern Sie nicht. Die Menge schon.

Die Zahlen auf dieser Seite gelten für einen Musterhaushalt. Ihre Rechnung hängt an Ihrem Dach und daran, wann Sie zu Hause sind. Nennen Sie uns Ihre Adresse und Ihren Jahresverbrauch, dann erfassen wir das Dach mit der Drohne und rechnen beide Varianten durch. Und wenn die Rechnung bei Ihnen nicht aufgeht, sagen wir das genauso.

Ihr Ansprechpartner
Thomas von Arx, Berater Energielösungen bei Soltastic Basel

Thomas von Arx

Berater Energielösungen, Soltastic Basel GmbH

Transparenzhinweis und Quellen

Aktualisiert am 9. September 2026. Wir sind ein Solarbetrieb und verdienen an gebauten Anlagen. Ein hoher Stromtarif ist für unser Geschäft ein Vorteil, und dieser Beitrag nutzt ihn als Argument; deshalb finden Sie hier auch die Gründe, die dagegen sprechen könnten, und den Hinweis, dass sich die Lage ändern kann. Die Strompreise stammen aus den Erhebungen der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom, abgerufen am 9. September 2026 für die Tarifjahre 2026 und 2027, Verbrauchskategorie H4, als Gesamtpreise inklusive Energie, Netznutzung, Messtarif, Abgaben und Netzzuschlag. Der Schweizer Mittelwert von 26.5 Rappen für 2027 stammt aus der ElCom-Publikation vom 8. September 2026. Die Darstellung der Ursachen beruht auf der Berichterstattung der Solothurner Zeitung vom September 2025 sowie auf öffentlich zugänglichen Analysen; über Laufzeit und Konditionen des Beschaffungsvertrags liegen uns keine Angaben aus erster Hand vor. Die Einspeisevergütung ist mit 8 Rappen angenommen und nicht bei Energie Kestenholz verifiziert. Die Ersparnisrechnung beruht auf einer 8-kWp-Südanlage mit 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak und einem Eigenverbrauch von 30 beziehungsweise 55 Prozent.