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Selber rechnen

Wie berechne ich, was meine Solaranlage bringt?

Jeder Solarrechner rechnet dieselben sechs Schritte. Wer sie einmal von Hand nachvollzieht, erkennt danach sofort, an welcher Stelle ein Rechner optimistisch geworden ist.

Kurz beantwortet

Wie berechne ich den Ertrag meiner Solaranlage?

In sechs Schritten. Erstens die Anlagengrösse: Die Faustregel von 1 Kilowatt Peak je 1'000 Kilowattstunden Jahresverbrauch liefert eine Untergrenze, nicht das Resultat. Wie gross die Anlage tatsächlich wird, entscheidet die Dachfläche mit rund 4.2 Quadratmetern je Kilowatt. Zweitens der Jahresertrag: Anlagengrösse mal 950 Kilowattstunden bei Südausrichtung, mal 800 bei Ost-West. Drittens der Eigenverbrauch: ohne Speicher rund 30 Prozent der Produktion. Viertens der gesparte Bezug: Eigenverbrauch mal Ihr Bezugspreis. Fünftens die Einspeisung: der Rest mal die Vergütung Ihres Netzbetreibers. Sechstens beides addiert ergibt den Jahresnutzen. Ein Beispiel: 8 Kilowatt Peak in Basel bringen rund CHF 1'600 im Jahr, was bei CHF 16'000 Investition nach Einmalvergütung einer Amortisation von rund zehn Jahren entspricht. Weil sich Bezugspreis und Vergütung jährlich ändern, rechnen Sie am besten mit einer Bandbreite statt mit einem Punktwert.

Kapitel 1

Vier Grössen, die alles bestimmen

Jede Ertragsrechnung, ob von Hand oder im Onlinerechner, beruht auf denselben vier Angaben. Drei davon kennen Sie bereits oder finden sie in fünf Minuten.

Tabelle 1: Die vier Eingangsgrössen
GrösseWo Sie sie finden
Jahresverbrauch in kWhAuf Ihrer Stromrechnung. Notieren Sie zusätzlich, was in fünf Jahren dazukommt: Wärmepumpe, Elektroauto, Umbau.
Nutzbare Dachfläche in m2Länge mal Breite der zusammenhängenden Fläche, minus einen Viertel für Randabstände, Kamine und Dachfenster.
Ausrichtung und NeigungHimmelsrichtung der Dachfläche und die ungefähre Neigung. Süd, Südost, Südwest, Ost-West oder Flachdach genügt als Angabe.
Bezugspreis und EinspeisevergütungBeide im Tarifblatt Ihres Netzbetreibers, beide inklusive Mehrwertsteuer. Die Differenz ist Ihre Spanne.

Die vierte Grösse ist die unterverschätzte. Zwei identische Anlagen in Nachbargemeinden bringen unterschiedlich viel, weil Bezugspreis und Einspeisevergütung unterschiedlich sind. Ein Rechner, der Sie nicht nach Ihrer Postleitzahl fragt, rechnet mit einem Landesdurchschnitt, den es so nirgends gibt.

Kapitel 2

Der Rechenweg in sechs Schritten

Durchgerechnet für ein Einfamilienhaus in Basel: 4'500 Kilowattstunden Jahresverbrauch, Süddach mit Platz für 8 Kilowatt Peak, Bezugspreis 37.91 Rappen, Einspeisevergütung 14 Rappen. Setzen Sie in der rechten Spalte Ihre eigenen Werte ein.

Tabelle 2: Rechenweg mit Beispielwerten
SchrittRechnungBeispiel
1. AnlagengrösseFaustregel, dann Abgleich mit der Dachfläche4.5 kWp nach Regel, 8 kWp nach Dach
2. JahresertragkWp mal 950 kWh bei Süd7'600 kWh
3. EigenverbrauchErtrag mal 30 Prozent2'280 kWh
4. Gesparter BezugEigenverbrauch mal BezugspreisCHF 864
5. EinspeisungRest mal VergütungCHF 745
6. JahresnutzenSchritt 4 plus Schritt 5rund CHF 1'600

Der Jahresnutzen von rund CHF 1'600 führt bei einer Investition von CHF 16'000 nach Einmalvergütung zu einer Amortisation von rund zehn Jahren. Rechnen Sie für eine ehrliche Zahl noch die laufenden Kosten ab, vor allem den Wechselrichtertausch nach zwölf bis fünfzehn Jahren. Damit verschiebt sich der Break-even auf rund zwölf Jahre. Und beachten Sie, dass die beiden Tarife aus Zeile vier und fünf jährlich neu festgelegt werden: Die ElCom meldet für 2027 einen Schweizer Mittelwert von 26.5 Rp./kWh, vier Prozent weniger als 2026, während IWB die Basler Tarife um 0.6 Prozent anhebt. Rechnen Sie die Amortisation deshalb mit einer Bandbreite von plus minus zwei Jahren.

Zu Schritt eins, der häufigsten Verwirrung: Die Faustregel von 1 Kilowatt je 1'000 Kilowattstunden ergibt in unserem Beispiel 4.5 Kilowatt Peak, gebaut werden aber 8. Das ist kein Rechenfehler, sondern Absicht. Die Faustregel beschreibt, ab welcher Grösse sich der Eigenverbrauch lohnt, nicht wo Sie aufhören sollten. Solange das Dach Platz hat und die Anlage unter 30 Kilowatt bleibt, kostet jedes zusätzliche Kilowatt weniger als das vorherige, während der Ertrag linear mitwächst. Der Überschuss geht zur Vergütung ins Netz. Wer dagegen streng nach Faustregel baut, hat oft ein halbes Dach ungenutzt und in fünf Jahren mit Wärmepumpe oder Elektroauto zu wenig Leistung. Und zu Schritt drei: Die 30 Prozent Eigenverbrauch sind ein Richtwert für einen Haushalt ohne Speicher und ohne Steuerung. Mit Wärmepumpe, Elektroauto oder einem Energiemanagement, das den Boiler auf Überschuss laufen lässt, sind 40 bis 50 Prozent erreichbar. Jeder Prozentpunkt mehr ist bares Geld, weil er die Differenz zwischen Bezugspreis und Vergütung einspart.

Kapitel 3

Drei Zahlen aus dem Beispiel

Dieselbe Anlage, dieselbe Produktion, drei verschiedene Prozentangaben. Wer sie verwechselt, rechnet sich reich oder arm.

30 %Eigenverbrauchsquote

Anteil der Produktion, den Sie selbst nutzen: 2'280 von 7'600 Kilowattstunden. Diese Zahl beschreibt, wie gut die Anlage zu Ihrem Verbrauch passt.

51 %Autarkiegrad

Anteil Ihres Verbrauchs, den die Anlage deckt: 2'280 von 4'500 Kilowattstunden. Andere Zahl, anderer Nenner, dieselbe Anlage.

70 %Wird eingespeist

5'320 Kilowattstunden gehen ins Netz, zur Vergütung Ihres Werks. In Basel sind das 14 statt 37.91 Rappen, und genau darin liegt der Hebel jeder Optimierung. Diese beiden Tarife werden jährlich neu festgelegt, der Hebel bleibt aber bestehen.

Wenn ein Angebot mit einer hohen Prozentzahl wirbt, fragen Sie nach dem Nenner. Ein Autarkiegrad von 51 Prozent klingt besser als eine Eigenverbrauchsquote von 30 Prozent, beschreibt aber genau dieselbe Anlage im selben Jahr. Beide Zahlen sind richtig, und beide beantworten eine andere Frage.

Bei Prozentzahlen entscheidet der Nenner.

Kapitel 4

Was Onlinerechner leisten und was nicht

Ein guter Rechner erspart Ihnen die Handrechnung und liefert in zwei Minuten eine Grössenordnung. Vier Dinge kann er systembedingt nicht, und das liegt nicht an der Qualität des Rechners.

01

Verschattung über den Jahresverlauf

Ein Rechner kennt Ihre Nachbarbäume nicht und nicht die Fassade gegenüber. Gerade im Winter, wenn die Sonne flach steht, wirft dieselbe Umgebung doppelt so lange Schatten. Das kann den Jahresertrag zweistellig senken, ohne dass es im Rechner auftaucht.
02

Ihre tatsächliche Dachfläche

Rechner arbeiten mit der Grundfläche aus der Karte oder mit Ihrer Schätzung. Randabstände, Kamine, Dachfenster, Lukarnen und Wartungswege sieht nur, wer auf dem Dach war. Zwischen Bruttofläche und belegbarer Fläche liegt oft ein Viertel.
03

Ihr Verbrauchsprofil über den Tag

Entscheidend ist nicht nur wie viel, sondern wann. Zwei Haushalte mit identischem Jahresverbrauch kommen auf sehr unterschiedliche Eigenverbrauchsquoten, je nachdem ob mittags jemand zu Hause ist und wann das Auto lädt. Rechner setzen dafür einen Standardwert ein.
04

Die Besonderheiten Ihres Hauses

Zustand der Eindeckung, Platz im Verteiler, Distanz zum Wechselrichterstandort, Zugänglichkeit für Gerüst und Material. Diese Punkte betreffen nicht den Ertrag, aber den Preis, und dort liegt die grössere Streuung.

Ein Rechner beantwortet deshalb zuverlässig die Frage, ob sich das Thema lohnt. Er beantwortet nicht, was Ihre Anlage kostet und bringt. Der Unterschied zwischen beiden Antworten beträgt in der Praxis leicht zwanzig Prozent, in beide Richtungen.

Kapitel 5

Fünf Fehler beim Rechnen

Diese fünf begegnen uns regelmässig, in Onlinerechnungen wie in Offerten. Jeder einzelne verschiebt das Ergebnis um Jahre.

01

Den ganzen Ertrag zum Bezugspreis bewerten

Der häufigste Fehler und der folgenreichste. Nur der eigenverbrauchte Teil spart den vollen Bezugspreis, der Rest bringt die Vergütung. Wer 7'600 Kilowattstunden mit 37.91 Rappen multipliziert, kommt auf CHF 2'880 statt auf CHF 1'600.
02

Mit steigenden Strompreisen rechnen

Viele Rechnungen unterstellen zwei oder drei Prozent Teuerung pro Jahr und verkürzen damit die Amortisation deutlich. Dass das keine sichere Wette ist, zeigt die Tarifrunde 2027: Die ElCom meldet einen Schweizer Mittelwert von 26.5 Rp./kWh, vier Prozent weniger als 2026. Gleichzeitig steigen die Tarife in über 260 Gemeinden, in Basel um 0.6 Prozent. Rechnen Sie zuerst ohne Steigerung. Geht es dann auf, ist die Entscheidung robust.
03

Die laufenden Kosten weglassen

Der Wechselrichtertausch nach zwölf bis fünfzehn Jahren kostet rund CHF 3'000, dazu kommen Messtarif und allenfalls die Versicherung. Über zwanzig Jahre sind das grob CHF 4'000 bis 6'000, die in vielen Rechnungen fehlen.
04

Die Alterung der Module ignorieren

Module verlieren im ersten Jahr überproportional und danach jedes Jahr wenig. Nach fünfundzwanzig Jahren liegen sie garantiert noch bei 87 bis 92 Prozent. Der durchschnittliche Jahresertrag über die Laufzeit ist deshalb etwas tiefer als der des ersten Jahres.
05

Den Steuerabzug vergessen

Der einzige Fehler, der zu Ihren Ungunsten geht. Bei bestehenden Gebäuden ist die Investition nach Abzug der Förderung in der Regel vom steuerbaren Einkommen abziehbar. Je nach Grenzsteuersatz senkt das die effektiven Kosten um mehrere tausend Franken.

Eine Rechnung, die alle fünf Punkte berücksichtigt, fällt nüchterner aus als die meisten Werbeversprechen und hält dafür der Wirklichkeit stand. Wenn Sie zwei Angebote vergleichen, prüfen Sie zuerst, ob beide mit denselben Annahmen rechnen. Sonst vergleichen Sie Optimismus, nicht Anlagen.

Kapitel 6

Häufige Fragen zur Berechnung

Wie berechne ich den Ertrag meiner Solaranlage?

Anlagengrösse in Kilowatt Peak mal spezifischer Ertrag. In der Schweiz sind das rund 950 Kilowattstunden je Kilowatt bei Südausrichtung, etwa 800 bei Ost-West und rund 850 bei aufgeständertem Flachdach. Eine 8-kWp-Südanlage liefert damit rund 7'600 Kilowattstunden im Jahr.

Wie rechne ich den Ertrag in Franken um?

Getrennt nach Eigenverbrauch und Einspeisung. Der eigenverbrauchte Teil spart den vollen Bezugspreis, der eingespeiste bringt die Vergütung Ihres Netzbetreibers. Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch bei rund 30 Prozent der Produktion. Beide Beträge addiert ergeben den Jahresnutzen.

Wie gross muss meine Anlage sein?

Die Faustregel von rund 1 Kilowatt Peak je 1'000 Kilowattstunden erwarteten Jahresverbrauch liefert eine Untergrenze, nicht das Resultat. Die obere Grenze setzt die nutzbare Dachfläche mit rund 4.2 Quadratmetern je Kilowatt. Dazwischen lohnt sich meist die grössere Anlage, weil der Preis je Kilowatt mit der Grösse sinkt und der Überschuss zur Vergütung ins Netz geht. Beziehen Sie ein, was in fünf Jahren dazukommt.

Wie oft muss ich die Rechnung aktualisieren?

Einmal jährlich, wenn die Tarife neu publiziert werden. Die Netzbetreiber melden ihre Tarife bis Ende August, die ElCom veröffentlicht sie Anfang September. Für 2027 meldet sie einen Schweizer Mittelwert von 26.5 Rp./kWh, vier Prozent weniger als 2026, während die Tarife in über 260 Gemeinden steigen. In Basel erhöht IWB um 0.6 Prozent. Die Einspeisevergütung schwankt noch stärker: Der Referenzmarktpreis des Bundes lag im ersten Quartal 2026 bei 10.27 Rp./kWh und im zweiten bei 3.90. Rechnen Sie deshalb mit einer Bandbreite statt mit einem Punktwert.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad?

Der Nenner. Die Eigenverbrauchsquote misst den selbst genutzten Anteil der Produktion, der Autarkiegrad den durch die Anlage gedeckten Anteil Ihres Verbrauchs. Im Beispiel sind das 30 Prozent Eigenverbrauch und 51 Prozent Autarkie, bei derselben Anlage im selben Jahr.

Wie zuverlässig sind Solarrechner?

Gut genug für eine Grössenordnung, zu ungenau für eine Investitionsentscheidung. Sie kennen weder Ihre Verschattung über den Jahresverlauf noch Ihre tatsächlich belegbare Dachfläche, Ihr Verbrauchsprofil über den Tag oder den Zustand Ihrer Hausinstallation.

Soll ich mit steigenden Strompreisen rechnen?

Rechnen Sie zuerst ohne. Viele Rechnungen unterstellen zwei bis drei Prozent Teuerung pro Jahr und verkürzen die Amortisation dadurch deutlich. Dass das keine sichere Wette ist, zeigt 2027: Schweizweit sinken die Tarife um vier Prozent, während sie in über 260 Gemeinden steigen. Geht die Rechnung auch ohne Steigerung auf, ist die Entscheidung robust. Geht sie nur mit auf, ist sie eine Wette.

Wie berechne ich die Amortisation?

Investition nach Abzug der Einmalvergütung, geteilt durch den Jahresnutzen. Rechnen Sie mit CHF 2'400 je Kilowatt Peak und ziehen Sie den Leistungsbeitrag von rund CHF 360 je Kilowatt plus den Grundbeitrag ab, bei 8 Kilowatt also rund CHF 3'200. Ziehen Sie zusätzlich die laufenden Kosten ab, vor allem den Wechselrichtertausch nach zwölf bis fünfzehn Jahren. Im Beispiel ergibt das rund zwölf Jahre.

Wie viel Ertrag bringt ein Kilowatt Peak in der Schweiz?

Je nach Ausrichtung, Neigung, Höhenlage und Verschattung rund 900 bis 1'100 Kilowattstunden im Jahr. Dieser spezifische Ertrag ist auch die beste Grösse, um zwei Angebote zu vergleichen, weil er alle Verluste zwischen Modul und Zähler bereits enthält.

Mit Ihren Zahlen statt mit Durchschnittswerten

Sie haben die Rechnung selbst gemacht und wollen wissen, wie nahe sie an der Wirklichkeit liegt? Wir erfassen Ihr Dach mit der Drohne, nehmen die Tarife Ihrer Gemeinde und rechnen die sechs Schritte mit Ihren Werten durch. Kostenlos und unverbindlich.

Ihr Ansprechpartner
Thomas von Arx, Berater Energielösungen bei Soltastic Basel

Thomas von Arx

Berater Energielösungen, Soltastic Basel GmbH

Transparenzhinweis

Aktualisiert am 9. September 2026. Das Rechenbeispiel verwendet die Basler Tarife 2026 mit 37.91 Rappen Bezug und 14 Rappen Einspeisevergütung, beide inklusive Mehrwertsteuer. Beide Werte werden jährlich neu festgelegt: IWB hat für 2027 eine Erhöhung von durchschnittlich 0.6 Prozent angekündigt, die ElCom meldet für die Schweiz einen Mittelwert von 26.5 Rp./kWh. Der spezifische Ertrag von 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak ist ein Richtwert für eine südorientierte Anlage im Schweizer Mittelland und variiert mit Neigung, Höhenlage und Verschattung. Die Eigenverbrauchsquote von 30 Prozent gilt für einen Haushalt ohne Speicher und ohne Verbrauchssteuerung. Die Einmalvergütung von rund CHF 3'200 für 8 Kilowatt ist aus einem Leistungsbeitrag von rund CHF 360 je Kilowatt und dem Grundbeitrag gerechnet; verbindlich ist der Tarifrechner von Pronovo. Alle Werte sind gerundet. Diese Rechnung liefert eine Grössenordnung und ersetzt keine Planung am konkreten Objekt.