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Versorger im Detail

Strompreis BKW 2027: was Sie zahlen und was sich ändert

Die BKW senkt den Preis auf 25.6 Rappen, rund 95 Franken weniger im Jahr. Gleichzeitig kommt ein Tarif, der Strom an sonnigen Nachmittagen verbilligt. Ausgerechnet dann, wenn Ihre Anlage ohnehin liefert.

Kurz beantwortet

Was kostet Strom bei der BKW 2027?

In den meisten Gemeinden zahlt ein Haushalt der Kategorie H4 ab dem 1. Januar 2027 rund 25.6 Rappen je Kilowattstunde. Das sind 2.1 Rappen oder 7.6 Prozent weniger als 2026. Bei 4'500 Kilowattstunden Jahresverbrauch sinkt die Rechnung von rund 1'247 auf rund 1'152 Franken, also um etwa 95 Franken. Hinter dieser Senkung stehen gegenläufige Bewegungen: Der Energietarif fällt um 2.92 Rappen oder 29 Prozent, während die Netznutzung um 0.66 Rappen und das Messwesen um 0.16 Rappen steigen. Neu bietet die BKW den freiwilligen Tarif «Sonne scheint» an, der im Sommerhalbjahr an sonnigen Nachmittagen bis zu 40 Prozent Rabatt auf die Netznutzung gewährt. Für Haushalte mit eigener Solaranlage bringt dieser Rabatt allerdings wenig, weil genau in diesen Stunden kaum Strom aus dem Netz bezogen wird.

Kapitel 1

Der Tarif 2027 im Detail

Die BKW beliefert rund 400 Gemeinden, vorwiegend im Kanton Bern, dazu Teile von Solothurn, Aargau, Freiburg, Jura und Neuenburg. In unserem Einzugsgebiet gehören unter anderem Oensingen, Niederbipp und Wangen an der Aare dazu. Der Tarif ist netzbetreiberweit weitgehend einheitlich; abweichen können die Abgaben an das Gemeinwesen.

Massgebend für die Zahlen unten ist das Standardprodukt Energy Blue und die Verbrauchskategorie H4, also eine Fünfzimmerwohnung mit Elektroherd und Tumbler bei 4'500 Kilowattstunden im Jahr. Wer ein anderes Produkt bezieht oder deutlich mehr verbraucht, kommt auf andere Werte.

Tabelle 1: Strompreis BKW 2027, Verbrauchskategorie H4, in Rappen je Kilowattstunde
Bestandteil2027Veränderung
Energierund 7.2 Rp.minus 2.92 Rp., also 29 Prozent
Netznutzungrund 11.9 Rp.plus 0.66 Rp., also 5.9 Prozent
Messwesenleicht höherplus 0.16 Rp.
Abgaben und Netzzuschlagunverändertkeine Veränderung
Gesamtpreis H425.60 Rp.minus 2.10 Rp., also 7.6 Prozent

Auffällig ist das Verhältnis: Die Netznutzung kostet 2027 deutlich mehr als die Energie selbst. Das ist kein Sonderfall der BKW, sondern der Schweizer Normalzustand seit dem Ende der Energiekrise. Wer seinen Strombezug senkt, spart beide Anteile, denn auch die Netznutzung wird je bezogener Kilowattstunde verrechnet.

Kapitel 2

Was sich gegenüber 2026 ändert

Die Senkung um 2.1 Rappen ist das Ergebnis zweier gegenläufiger Bewegungen. Die Energie wird deutlich billiger, das Netz teurer. Wer nur auf den Gesamtpreis schaut, übersieht, dass sich die Zusammensetzung dauerhaft verschiebt.

Tabelle 2: Entwicklung des BKW-Tarifs für einen H4-Haushalt
JahrPreis je kWhJahresrechnung bei 4'500 kWh
202627.70 Rp.rund CHF 1'247
202725.60 Rp.rund CHF 1'152
Unterschiedminus 2.10 Rp.rund CHF 95 weniger

Für die Planung einer Solaranlage ist die Richtung wichtiger als der aktuelle Stand. Der Energieanteil hängt an Beschaffung und Produktionskosten und kann fallen wie steigen. Die Netznutzung hängt an Investitionen ins Verteilnetz, und die BKW hat 2025 über 180 Millionen Franken investiert. Dieser Anteil wird eher weiter zunehmen.

Eine Solaranlage senkt beide Anteile zugleich, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde weder Energie noch Netznutzung kostet. Genau deshalb wirkt sie stärker als eine reine Energieeinsparung, und genau deshalb wird sie mit steigenden Netzkosten wertvoller, nicht weniger wertvoll.

Kapitel 3

Drei Zahlen zum Tarifjahr

Gerechnet für einen H4-Haushalt mit 4'500 Kilowattstunden im BKW-Gebiet und einer 8-kWp-Anlage auf einem Süddach.

CHF 95Was die Tarifsenkung bringt

Weniger im Jahr, ohne dass Sie etwas tun müssen. Rund acht Franken im Monat.

CHF 445Was eine Anlage bringt

Eigenverbrauch von rund 2'280 Kilowattstunden zu 25.6 Rappen, dazu die Vergütung für den eingespeisten Rest.

4.7-malDer Unterschied

So viel mehr bringt die eigene Anlage gegenüber der Tarifsenkung. Und anders als der Tarif läuft sie nicht Gefahr, nächstes Jahr wieder zu steigen.

Die Tarifsenkung ist erfreulich, aber sie ist geliehen. Sie beruht auf gesunkenen Beschaffungskosten der BKW, und dieselbe Mechanik hat den Preis 2023 nach oben getrieben. Die Netznutzung, die 2027 steigt, wird dagegen kaum wieder sinken; das Verteilnetz wird auf Jahre hinaus umgebaut.

Den Tarif bestimmt die BKW. Den Verbrauch bestimmen Sie.

Kapitel 4

Der neue Tarif Sonne scheint

Ab 2027 bietet die BKW erstmals einen dynamischen Netznutzungstarif an. Er heisst «Sonne scheint», ist freiwillig und gibt im Sommerhalbjahr an sonnigen Nachmittagen einen Rabatt auf die Netznutzung. Die Idee dahinter ist netzdienlich: Wer Strom dann bezieht, wenn viel Solarstrom im Netz ist, entlastet das System.

01

Nur im Sommerhalbjahr

Der Rabatt gilt in der Hälfte des Jahres, in der die Sonne ohnehin scheint. Im Winter, wenn Ihr Verbrauch am höchsten und Ihre Eigenproduktion am tiefsten ist, gibt es ihn nicht.
02

Nur nachmittags

Betroffen sind die Stunden mit hoher Solarproduktion im Netz. Das sind dieselben Stunden, in denen eine eigene Anlage am meisten liefert.
03

Nur auf die Netznutzung

Energie, Messwesen, Abgaben und Netzzuschlag bleiben unberührt. Vierzig Prozent klingen nach viel, betreffen aber weniger als die Hälfte des Strompreises.
04

Nur bei Sonne

An bedeckten Tagen fällt der Rabatt tiefer aus oder ganz weg. Er folgt der Wetterlage, nicht dem Kalender, und lässt sich deshalb nicht fest einplanen.

Der Rabatt beträgt bis zu vierzig Prozent, bei leichter Bewölkung zwanzig. Die Höhe wird an die regionalen Verhältnisse angepasst. Wichtig ist, worauf er sich bezieht: auf die Netznutzung, nicht auf den gesamten Strompreis. Bei rund 11.9 Rappen Netznutzung sind vierzig Prozent etwa 4.8 Rappen je Kilowattstunde, und nur in den betroffenen Stunden.

Kapitel 5

Was das für Solaranlagen bedeutet

Hier kommt eine Einschätzung, die Sie von einem Solarbetrieb vielleicht nicht erwarten. Der neue Tarif ist für Haushalte **ohne** Solaranlage gemacht, und für Sie als Anlagenbesitzer bringt er wenig.

01

Der Rabatt trifft Ihre schwächsten Bezugsstunden

An einem sonnigen Sommernachmittag deckt eine 8-kWp-Anlage den Haushaltsbedarf vollständig und speist den Überschuss ein. Sie beziehen in diesen Stunden kaum Strom aus dem Netz. Ein Rabatt auf einen Bezug, den es nicht gibt, ist nichts wert.
02

Im Winter greift er gar nicht

Genau dann, wenn Sie am meisten beziehen, weil die Anlage wenig liefert und die Wärmepumpe läuft, gilt der Rabatt nicht. Das Sommerhalbjahr deckt Ihre teuerste Zeit nicht ab.
03

Er konkurriert mit Ihrem Eigenverbrauch

Wer den Rabatt ausnutzen will, verlegt Verbrauch in die Mittagsstunden. Das ist genau die Massnahme, die Ihnen ohne Anlage nichts und mit Anlage viel bringt, weil Sie dann eigenen Strom statt Netzstrom nutzen. Die Verlagerung lohnt sich also, der Tarif ist dabei nicht der Grund.
04

Wo er trotzdem etwas bringt

Bei einem Elektroauto, das werktags tagsüber zu Hause steht und mehr Strom braucht, als die Anlage gerade liefert. Dann beziehen Sie zusätzlich aus dem Netz, und der Rabatt greift. Das ist der einzige Fall, in dem wir ihn empfehlen würden.
05

Was er über die Zukunft sagt

Wichtiger als der Rabatt ist das Signal. Netzbetreiber beginnen, Strom zeitabhängig zu bepreisen. Wer Verbrauch verschieben kann, wird künftig belohnt, wer es nicht kann, zahlt mehr. Eine Anlage mit Steuerung ist auf beide Entwicklungen vorbereitet.

Unser Rat: Prüfen Sie «Sonne scheint», wenn Sie keine Anlage haben und Ihren Verbrauch verschieben können, etwa mit Wärmepumpe, Boiler oder Elektroauto. Wenn Sie eine Anlage haben oder planen, ist der Tarif zweitrangig. Rechnen Sie ihn nicht in die Wirtschaftlichkeit ein, weder positiv noch negativ.

Eine Einschränkung zur Ehrlichkeit: An bedeckten Sommernachmittagen liefert Ihre Anlage wenig, und der Rabatt beträgt immer noch zwanzig Prozent. In diesen Stunden bringt der Tarif also durchaus etwas. Nur lässt sich das nicht planen, und es bleibt ein Nebeneffekt, kein Argument.

Kapitel 6

Häufige Fragen zum BKW-Strompreis

Was kostet Strom bei der BKW 2027?

In den meisten Gemeinden rund 25.6 Rappen je Kilowattstunde für die Verbrauchskategorie H4 mit dem Standardprodukt Energy Blue. Bei 4'500 Kilowattstunden ergibt das eine Jahresrechnung von rund 1'152 Franken.

Wie viel günstiger wird es gegenüber 2026?

Der Preis sinkt um 2.1 Rappen je Kilowattstunde, also um 7.6 Prozent. Für einen H4-Haushalt sind das rund 95 Franken im Jahr oder knapp acht Franken im Monat.

Warum sinkt der Preis, obwohl das Netz teurer wird?

Weil der Energieanteil stärker fällt, als die Netzkosten steigen. Die Energie wird um 2.92 Rappen billiger, die Netznutzung um 0.66 und das Messwesen um 0.16 Rappen teurer. Unter dem Strich bleiben 2.1 Rappen Senkung.

Was ist der Tarif Sonne scheint?

Ein freiwilliger dynamischer Netznutzungstarif, den die BKW ab 2027 anbietet. Er gewährt im Sommerhalbjahr an sonnigen Nachmittagen bis zu vierzig Prozent Rabatt auf die Netznutzung, bei leichter Bewölkung zwanzig Prozent. Die Höhe wird regional angepasst.

Lohnt sich Sonne scheint mit einer Solaranlage?

Meist nicht. Der Rabatt gilt in den Stunden, in denen eine eigene Anlage den Bedarf ohnehin deckt und kaum Strom aus dem Netz bezogen wird. Im Winter, wenn Sie am meisten beziehen, greift er gar nicht. Eine Ausnahme ist ein Elektroauto, das tagsüber lädt und mehr braucht, als die Anlage liefert.

Welche Gemeinden beliefert die BKW?

Rund 400 Gemeinden, vorwiegend im Kanton Bern, dazu Teile von Solothurn, Aargau, Freiburg, Jura und Neuenburg. In unserem Einzugsgebiet gehören unter anderem Oensingen, Niederbipp und Wangen an der Aare dazu.

Gilt der Preis in allen BKW-Gemeinden gleich?

Energie, Netznutzung, Messwesen und Netzzuschlag sind netzbetreiberweit einheitlich. Unterschiedlich sind die Abgaben an das Gemeinwesen, die jede Gemeinde selbst festlegt. Der Gesamttarif weicht dadurch um wenige Zehntelrappen ab.

Was bringt eine Solaranlage im BKW-Gebiet?

Bei 25.6 Rappen Bezugspreis und einer 8-kWp-Anlage rund 445 Franken im Jahr ohne Verhaltensänderung. Wer Verbrauch in die Mittagsstunden verlegt, kommt deutlich höher. Das ist das Mehrfache dessen, was die Tarifsenkung 2027 bringt.

Wir rechnen mit Ihrem BKW-Tarif

Die Zahlen auf dieser Seite gelten für einen Musterhaushalt. Ihre Rechnung hängt am Verbrauch, an der Dachfläche und an den Abgaben Ihrer Gemeinde. Nennen Sie uns Adresse und Jahresverbrauch, dann rechnen wir durch, was eine Anlage bei 25.6 Rappen tatsächlich bringt. Wenn sich der Tarif «Sonne scheint» bei Ihnen lohnt, sagen wir das ebenfalls, auch wenn wir daran nichts verdienen.

Ihr Ansprechpartner
Thomas von Arx, Berater Energielösungen bei Soltastic Basel

Thomas von Arx

Berater Energielösungen, Soltastic Basel GmbH

Transparenzhinweis

Wir sind ein Solarbetrieb und verdienen an gebauten Anlagen. Diese Seite rät Besitzern einer Solaranlage vom neuen BKW-Tarif «Sonne scheint» ab, obwohl er nichts mit unserem Geschäft zu tun hat. Die Tarifangaben stammen aus der Medienmitteilung der BKW vom 12. August 2026 und gelten ab dem 1. Januar 2027 für die Verbrauchskategorie H4 mit dem Produkt Energy Blue. Die Einzelwerte für Energie und Netznutzung sind aus den publizierten Veränderungen abgeleitet; verbindlich ist das Preisblatt der BKW für Ihre Gemeinde. Die Ersparnisrechnung beruht auf einer 8-kWp-Südanlage mit 950 Kilowattstunden je Kilowatt Peak, dreissig Prozent Eigenverbrauch und einer Einspeisevergütung von 8 Rappen.